Quotes

Das sagt die Presse

Die zeitgenössische Musikpresse, wie etwa das Hamburger Magazin Musikexpress Ende der 1970er Jahre, und spätere Rezensenten zeigten sich vom Sound der Real Ax Band beeindruckt und beschrieben den Stil wie folgt:

  • Stilmix: Die Musik wurde als eine „schräge Mischung aus Psychedelic, Rock, Funk, Salsa und Groove“ bezeichnet. Ken Hunt, ein britischer Musikjournalist, merkte in einem Essay 2001 an, dass die Band Rock, Jazz, Soul und Latin-Elemente „offenherzig mischte und anpasste“, ohne ihre musikalischen Einflüsse verbergen zu wollen.[1]
  • Spieltempo und Drive: Hervorgehoben wurde in Kritiken das „wahnwitzige Spieltempo innerhalb der Songs“ und ein nervöser, treibender Drive, der sich unweigerlich auf den Hörer überträgt. Es sei „keine Musik für schwache Nerven“.[1]
  • Arrangements: Die Presse lobte die „dichten Arrangements über locker-flockigen Grooves“ (im Original: „tight arrangements over loose-limbed grooves“) sowie das „hervorstechende, präzise und antreibende Schlagzeugspiel“.[1]

Gesangliche Besonderheit: Im Gegensatz zu vielen anderen Krautrock-Bands, deren englischer Gesang oft künstlich klang, wurde die Londoner (aus Ghana stammende) Sängerin Maria Archer von den Kritikern dafür gelobt, dass sie der Band eine authentische englische Stimme und afrikanische Einflüsse (Samba/Salsa-Feeling) verlieh.[1]

Quellen

  1. http://rocknrollperolas.blogspot.com/2019/02/krautrock-jazz-fusion-real-ax-band-just.html      
  2. http://www.krautrock-musikzirkus.de/de,Real-Ax-Band-Move-Your-Ass-In-Time_230,N.html
  3. http://www.musikreviews.de/reviews/2018/Real-Ax-Band/Just-Vibrations
  4. https://www.green-brain-krautrock.de/85a748fef1d3c3d53c47f2a33a42d8cb,english,REALAXBAND-LiveAtTheQuartierLatin-CD1978SireenaKrautrockJazzrock_26908.html
  5. https://www.facebook.com/groups/574454666049274/posts/3031402143687835/
  6. https://www.facebook.com/groups/8393406199/posts/10159792373606200/
  7. https://www.psychedelicbabymag.com/2019/04/kraut-fusion.html
  8. https://www.facebook.com/groups/8393406199/posts/10159162726571200/
  9. https://www.kupindo.com/Ploce/65667881_Ralf-Illenberger-s-Circle
  10. https://www.youtube.com/watch?v=LjWhelSlUA0
  11. http://www.krautrock-musikzirkus.de/de,Real-Ax-Band_230,N.html
  12. https://www.youtube.com/watch?v=8Ba1Ycna2NU
  13. https://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=11262&content=review&left=year&year=2006
  14. https://www.reddit.com/r/experimentalmusic/comments/uwfymd/avant_garde_jazz_with_kraut_rockrepetitivedriving/
  15. https://www.youtube.com/watch?v=S6aKVM_Q2sk
  16. http://www.expose.org/index.php/articles/display/real-ax-band-just-vibrations-live-at-the-quartier-latin-berlin-21.html
  17. https://musikzirkus.eu/forum/topic.php?t=37224

Real Ax Band gilt heute als hoch angesehener, aber eher „Insider“-Act innerhalb der Krautrock‑/Jazzrock‑Fusion der späten 70er:

Musikalisch auf dem Niveau von Embryo und Kraan, aber mit deutlich kleinerem Output und daher eher Kult‑Status als großes Aushängeschild der Szene. Langfristige Kritiken zu den Reissues fallen durchweg sehr positiv aus und heben vor allem die intensive Live‑Energie, den Funk/Latin‑Groove und die außergewöhnliche Stimme von Maria Archer hervor.[1][2][3][4][5]

Stellung innerhalb der 70er-Krautrock-Fusion

In zeitgenössischen und späteren Texten wird Real Ax Band als kurzlebige Krautrock‑Gruppe der späten 70er beschrieben, deren Musiker aus dem Umfeld von Embryo und Missus Beastly stammen – also mitten aus dem Kern der deutschen Jazzrock‑Szene. Stilistisch wird die Band als Mischung aus deutschem Jazzrock/Krautrock und Funk, Soul, Afro‑ sowie Latin‑Rhythmen (Salsa/Samba) charakterisiert, die mit deutschem Fusion‑ und Prog‑Rock verwoben sind.[4][6][1]

Ein brasilianischer Blog ordnet sie explizit als Band ein, die klanglich „nicht weit weg von Kraan oder Embryo“ agiert, allerdings mit etwas zugänglicherem, „kommerziellerem“ Flair – also klar im gleichen Qualitätssegment, aber nicht mit der gleichen Breitenwirkung. Das Psychedelic‑Baby‑Magazin bezeichnet Real Ax Band als einen der Embryo‑Ableger, die den dort etablierten Jazzrock‑Fusion‑Sound „auf die nächste Stufe“ bringen und betont ihre Präsenz in der damaligen deutschen Festivalszene.[5][4]

Musikalische Besonderheiten im Kontext der Szene

Mehrere Quellen betonen, dass Real Ax Band einen besonders groovelastigen, tanzbaren Zugang zur Kraut‑Fusion pflegt: starke Funk‑ und Heavy‑Funk‑Anteile, Ethno‑Grooves und lange Jam‑Passagen, die in Richtung Space Rock und Psychedelic ausschlagen. Die Band selbst bzw. Ken Hunts Essay beschreibt den Stil als offenes Mischen von Rock, Jazz, Soul und Latin‑Elementen „mit wenig Versuch, Einflüsse zu kaschieren“, was im Vergleich zu vielen eher „kopfbetonten“ Jazzrock‑Acts der Zeit sehr direkt und körperlich wirkt.[2][3][6][4]

Ein weiterer Alleinstellungsfaktor in der Krautrock‑Landschaft sind die Vocals: Maria Archer, aus Ghana stammende Sängerin mit London‑Hintergrund, wird immer wieder als selten authentische englischsprachige Stimme in einem deutschen Fusion‑Kontext hervorgehoben – „real English and soulful“, irgendwo zwischen Sly Stone und Betty Davis. Kritiker loben, dass dies Real Ax Band deutlich von vielen anderen deutschen Gruppen mit eher bemüht klingendem Englischgesang abhebt.[6][1][4]

Langfristige Kritiken und Rezeption

Mit den Reissues ab den 2000ern (Album und später das 1978er‑Live‑Tape „Just Vibrations – Live At The Quartier Latin Berlin“) setzte eine nachträgliche Aufwertung ein:

  • Das brasilianische Blog „Rock’n’Roll Pérolas“ nennt das Quartier‑Latin‑Konzert eine „Perle“ und „empfohlen für jeden Fan von Kraut und deutschem Rock insgesamt“, lobt die „kühnere und kreativere“ Live‑Variante gegenüber dem Studioalbum, die Krautrock mit Jazz‑Fusion, Funk und Prog in experimentellen, „lisergischen“ Jams und hoher instrumentaler Technik verbindet.[4]
  • „Betreutes Proggen“ spricht bei „Just Vibrations“ von einem „überzeugenden, temperamentvollen Jazzrock‑Auftritt“ und beschreibt eine Melange aus Jazzrock, Heavy Funk und Ethno‑Grooves mit großer Improvisationsfreude und über jeden Zweifel erhabenen instrumentalen Fähigkeiten; gleichzeitig wird bedauert, dass diese „damals nicht so bekannte deutsche Jazzrock‑Formation“ sonst leicht in Vergessenheit geraten könnte.[3]
  • Music Street Journal bezeichnet das Live‑Album als „killer set from start to finish“, verortet es zwischen Jazzrock/Fusion, Frank‑Zappa‑Anklängen, Funk und Space‑Rock und hebt die langen, spannungsreichen Jams mit „smoking hot jazz rock“ und „killer jamming“ hervor.[2]
  • Der Blog „Progress Review“ schreibt über das Studioalbum „Move Your Ass In Time / Nicht Stehenbleiben“, es habe ihn „wirklich umgehauen“ und lobt die durchgehende Energie, originellen Akkordfolgen sowie die funky Gitarrenriffs und vergleicht das Niveau mit anderen hochgeschätzten deutschen Fusion‑Platten der späten 70er.[7]

Zusammenfassend zeichnen die späteren Kritiken das Bild einer Band, die historisch nur eine Randnotiz blieb, qualitativ aber weit darüber steht: Ein extrem tight spielendes Ensemble, das Kraan‑/Embryo‑artigen Jazzrock mit funkigem, afro‑latin durchzogenem Groove und einer außergewöhnlichen Sängerin verbindet – und heute als Kult‑Tipp für Kraut‑ und Fusion‑Kenner gehandelt wird.[1][3][4]

Quellen

  1. https://insheepsclothinghifi.com/album/real-ax-band-nicht-stehenbleiben-move-your-ass-in-time/   
  2. https://musicstreetjournal.com/cdreviews_display.cfm?id=106470  
  3. https://www.betreutesproggen.de/2018/06/real-ax-band-just-vibrations-live-at-the-quartier-latin-berlin/   
  4. http://rocknrollperolas.blogspot.com/2019/02/krautrock-jazz-fusion-real-ax-band-just.html      
  5. https://www.psychedelicbabymag.com/2019/04/kraut-fusion.html 
  6. https://realaxband.de  
  7. http://progressreview.blogspot.com/2020/01/real-ax-band-move-your-ass-in-timenicht.html
  8. https://www.facebook.com/RealAxBand/photos/musik-street-journal-review-just-vibrations-with-some-scat-vocals-built-into-it-/1688398055464703/
  9. https://www.youtube.com/watch?v=8Ba1Ycna2NU
  10. https://www.progarchives.com/artist.asp?id=2077
  11. https://www.progarchives.com/album.asp?id=95097
  12. https://www.facebook.com/MarlonKlein.Dissidenten.ExilMusik/posts/nice-review-about-my-work-and-my-70ties-real-ax-band-/2285080284842927/
  13. https://www.facebook.com/RealAxBand/posts/real-ax-band-just-vibrations-live-at-the-quartier-latin-berlin-review-by-gary-hi/729923737346913/
  14. https://www.bestbuy.com/site/just-vibrations-live-at-the-quartier-latin-berlin-cd/34169666.p?skuId=34169666
  15. https://www.progarchives.com/album.asp?id=9507